Wissen und Tipps und Tricks aus Erfahrungswerten
! Achtung !
Das Folgende sind Informationen aus der Selbsthilfegruppe, die bei einzelnen Personen in ihrem jeweiligen Fall funktioniert haben, sowie ausgewählte Erklärungen schwieriger Begriffe aus dem Gebiet und teilweise verfügbare wissenschaftliche Evidenz, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Jede Erkrankung ist jedoch individuell und erfordert fachliche Expertise.
Die folgenden Punkte ersetzen keinesfalls fachlichen Rat!
Gleiche dich daher mit medizinischem Fachpersonal ab!
! Beachte bitte auch viele nützliche Tipps auf der Seite www.fazialisparese.ch
! Wenn möglich, haben wir Fachliteratur angegeben. Diese Sektion unterliegt fortlaufender Anpassung und Korrektur, da sich auch die Wissenschaft weiterentwickelt. Sie steht nicht unter der Idee, die „Wahrheit“ zu kennen. Sie dient dazu Informationen zu geben und ggf. auf Kontroversen aufmerksam zu machen, die dann aber jeder für sich und möglichst im Gespräch und Austausch mit Fachpersonal einordnen muss.
Benachrichtige uns gern bei Bedarf zur Korrektur oder Ergänzung.
„Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“
Dschalāl ad-Dīn Muhammad Rūmī (1207 – 1273)
– islamischer Mystiker und Dichter
A
- Apfel: In einem Apfel (oder Burger, Wraps, Brote etc.) zu beißen kann schwierig sein, wenn die Unterlippe durch die Parese nicht heruntergezogen werden kann. Möglichkeiten: Lippe mit dem Finger herunterziehen, Speisen kleinschneiden
- Augenklappe: kann ähnlich wie das nächtliche Zukleben mit einem dafür geeigneten anderen transparenten Tape eine Alternative zum Uhrglasverband sein, u.a. wenn dieser Hautprobleme verursacht. Die Wirksamkeit aber auch die Risiken dieser Methode sind sehr individuell und hängen von der Parese-Art ab. Eine Gefahr ist die Austrocknung der Hornhaut, vor allem wenn der Lidschluss nicht gut funktioniert. Wichtig ist daher, dass das Auge ge- oder verschlossen ist (z.B. mit Klebestreifen) und auf keinen Fall die Klappe oder Verbandmaterial direkten Kontakt mit der Hornhaut des Auges hat! Lasse dich hierzu UNBEDINGT (!) von einer Fachperson (Augenarzt, Logopäde, Neurologe, HNO-Arzt etc.) beraten und anleiten!
- Ärztliche Behandlung: Die ärztliche Behandlung von Fazialisparesen obliegt den entsprechenden Fachrichtungen. Aufgrund der Unterschiedlichkeit der Paresen sind hier v.a. folgende Gruppen beteiligt: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Neurologie (Nervenärzte), Neurochirurgie (Nervenchirurgen), Gefäßchirurgie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Augenheilkunde, Plastische Chirurgie, Allgemeinmedizin sowie bei Kindern und Jugendlichen Kinderneurologie und Kinderheilkunde und viele mehr.
- Akupunktur – eine Sammlung von Techniken, bei der Nadeln an bestimmten Hautpunkten eingesetzt werden. Zur Wirksamkeit bei Fazialisparese wurde durch zwei chinesische Metaanalysen (= Zusammenfassung von Studien) u.a. zur Jingjin-Akupunktur berichtet. Die Berichte verweisen aber auf die größtenteils mäßige Qualität der ausgewerteten Studien [45-46]. Die biologischen Effekte werden in einem weiteren Artikel beschrieben [47]. Weitere Meta-Analysen – ebenfalls v.a. aus China – bestehen zu Kombinationsverfahren („tuina“) [48] . Zu nennen ist, dass allgemein zur Akupunktur und ihrer Wissenschaft durchaus lebendige Kontroversen bestehen und große Analysen v.a. zur Schmerzmedizin keinen robusten allgemeinen Effekt sehen [49], v.a. die „GERAC-Trials“ in Deutschland [50]. Ferner werden in der Literatur starke Publikationsverzerrungen zugunsten der Akupunktur angenommen – so z.B. dass nur Studien, die einen Effekt sehen, publiziert werden, nicht aber die, die keinen erkennen konnten [51]. Diesen Punkt werden wir hier nicht auflösen – weil dies eher generelle Einschätzungen sind, aber keine zur Fazialisparese. Die Entscheidung der Nutzung dieser Zusatztechnik liegt daher wie bei allen anderen Methoden der Schul-, Komplementär- und Alternativmedizin bei einem Patienten selbst und den Behandlern (siehe „EBM“ und „Vertrauen“).
- Augenlidverkürzung (Oberlid) – bei einer Fazialisparese kann es innerhalb weniger Monate zu einer oberen Augenlidverkürzung kommen. Entsprechend sind Stretchingmethoden und eine logopädisch-therapeutische Anleitung relevant, um dem vorzubeugen oder es früh zu entdecken [60,61].
B
- Bell Parese: Auch „idiopathische“ Parese (= unbekannte Ursache). Eine der häufigeren Formen der Fazialisparese, benannt nach dem schottischen Arzt Charles Bell. In einer englischen Studie der Jahre 1992-1996 wird ihre Inzidenz mit 20 Neuerkrankungen pro 100.000 Personen pro Jahr beschrieben. Männer waren gleich häufig wie Frauen betroffen, das Alter erhöhte das Risiko, es gab jedoch auch betroffene Kinder und Jugendliche [12]. Eine deutsche Übersichtsarbeit 2026 zeigt ähnliche Daten. Bei ca. 94% der Betroffenen bildet sich die Parese innerhalb von 4 Monaten zurück [13].
- Bell Phänomen („Bell’s Sign“)- – bezeichnet, dass beim fehlenden Lidschluss der Augapfel weiterhin zu sehen ist, aber nach oben rotiert. Das Phänomen selbst ist als Reflex verbreitet und tritt bei ca. 80% der Bevölkerung auf (je jünger, desto häufiger). Dass man es sehen kann, ist es aber nicht, da das Auge normalerweise schließt und so der nach oben rotierte Augapfel nicht zu sehen ist [28].
- Bell, Charles – schottischer Arzt und Erstbeschreiber der Bell Palsy (1774-1842). Aufgrund einer Photographie wird (analog zur Mona Lisa) spekuliert, dass Charles Bell selbst von einer Fazialisparese betroffen war. Dies wird mittlerweile für eher unwahrscheinlich gehalten [26].
- Borreliose – eine bakterielle Erkrankung durch Zeckenbisse. Borrelien können eine Fazialisparese auslösen. Die Borreliose wird antibiotisch behandelt, typisch ist an der Bissstelle eine kleine rote Stelle, die sich dann mit einem Ring ausbreitet. Wird dies nicht entdeckt oder therapiert, droht eine Neuro-Borreliose („Lyme-Disease“), die zu einer Fazialisparese führen kann. Bei unklarer Fazialisparese sollte diese Erkrankung mittels eines Bluttests geprüft werden [2,37]. Die „Zeckenimpfung“ hilft nicht gegen diese Erkrankung, sie hilft gegen die Frühsommer-Enzephalitis (FSME), eine ebenfalls schwere Gehirnentzündung.
- Botox (Botulinum-Toxin Typ A). Ein Medikament, welches bekannt ist aus der „Schönheitschirurgie“. Eigentlich heißt es „Onabotulinumtoxin Typ A“ mit dem Handelsnamen BOTOX(R) – mittlerweile gibt es auch andere kommerzielle Varianten (Botox, Xeomin, Dysport) sowie auch Botulinumtoxin B (Myobloc). Es entfaltet seine Wirkung auf vielfältige und je nach Typ etwas unterschiedliche Weise: es blockiert die Freisetzung eines Botenstoffs (Acetylcholin) und verhindert z.B. bei Injektion in eine Speicheldrüse die Sekretion von Speichel, die durch diesen Botenstoff bewirkt wird. In Muskeln injiziert, blockiert es die Reflexantwort, die eine Spastik auslöst, ohne die Kraft des Muskels zu senken. Zudem kann es einen weiteren Botenstoff, „Substanz P“, blockieren, wodurch es schmerzlindernd wirken kann. Durch die Injektion werden entsprechende Effekte erzielt: Am Auge ein Herabsinken des Oberlids zum Schutz des Auges sowie in der Muskulatur zur Behebung einer Spastik. Die Injektion muss je nach Verlauf nach einigen Monaten (ca. 90 Tagen) wiederholt werden, da die blockierten Nerven sich durch Aussprossen regenerieren und die Wirkung aufheben. Das Toxin wird in den Nervenzellen selbst deaktiviert [52, 53, 55]. Das Toxin mit seinen 7 Unterformen ist eigentlich ein starkes Bakteriengift und wird produziert von Bakterium Clostridium botulinum, einem Umweltkeim der v.a. in Erde vorkommt – ähnlich wie das verwandte Clostridium tetani, dem Auslöser von Wundstarrkrampf (Tetanus) [54].
C
- Cornea – die Hornhaut des Auges. Sie ist schmerzempfindlich und nervenreich. Sie gehört zu den empfindlichsten Organen des Menschen. Reizungen führen zum Tränenfluss. Die Cornea ist v.a. dann betroffen, wenn die oberen Fazialisäste gelähmt sind. In diesem Fall besteht ein „Lagophthalmus„, d.h. das Auge schließt nicht mehr richtig und die Hornhaut ist gefährdet [29]. Wenn das Auge durch eine Fazialisparese zu trocken wird, drohen Hornhautschäden bis zur Erblindung. Maßnahmen sind je nach Betroffenheit des Ober- und Unterlids Tropfen und Salben, Okklusionsverbände, Pflasterstreifen, Botox-Injektionen, Sklera-Linsen und andere Maßnahmen bis hin zur Augenlid-Gold- und Platin-Gewichtsimplantation oder Operationen (Tarsorraphie oder Canthopexie und -plastie). Experimentell wird über Elektrotherapien sowie Magnettherapien [42] berichtet. Die Auswahl der Methoden hängt sehr stark von der Art der Parese ab. Sie erfolgt mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten und hängt von der Diagnose (welche Schädigung?), der Prognose (wie lange?) und der entsprechenden Notwendigkeit ab.
- Corona-Virus / COVID-19 – Der direkte Zusammenhang der Erkrankung mit einer Fazialisparese wird durch mehrere Übersichtsarbeiten aufgegriffen, bleibt aber kontrovers. Viele Patienten in wissenschaftlichen Analysen hatten begleitende andere Nervenkrankheiten (z.B. Guillain-Barré-Syndrom), einige zeigten isolierte Paresen, die ca. 10 Tage nach der Infektion auftraten und sich in 67 – 85% der Fälle in kurzer Zeit zurückbildeten. Die Autoren von Übersichtsarbeiten berichten, dass v.a. beidseitige Paresen (23%) auftraten und sich der Verlauf von der Bell-Parese unterscheidet [14, 15]. Der Zusammenhang zu COVID-19-Impfungen wurde ebenfalls beschrieben und wird (wie vieles in diesem Zusammenhang) kontrovers und emotional diskutiert – bisweilen auch mit verschwörungstheoretischem Hintergrund [21]. Dieser Eintrag kann dies nicht abschließend fachlich behandeln ! – Dennoch eine kurze Übersicht: In einer Fallkontrollstudie von Shemer in Israel ließ sich kein robuster statistischer Zusammenhang zwischen Parese und Impfung erkennen [16]. Eine Metaanalyse (eine Analyse mehrerer Einzelstudien) verweist darauf, dass die Impfung einen möglichen Zusammenhang aufweisen kann, aber die Infektion mit Covid-19 im Vergleich zur Impfung noch deutlichere Risiken aufweist [17]. Eine dritte Analyse zeigte weder einen Zusammenhang mit Infektion noch mit Impfung [19]. Eine vierte zeigte einen Anstieg an Fazialisparesen durch Infektion, aber nicht durch Impfung [20]. Eine südkoreanische Fallkontroll-Arbeit zeigt bei 44 Millionen Impfungen 15000 Fälle [18]. Die Analysen zeigen, dass 1) die Parese trotz Milliarden gegebener Impfdosen vergleichsweise selten ist, 2) das zeitgleiche Auftreten (= normales Auftreten wie vor der Pandemie) und der direkte ursächliche Zusammenhang Gegenstand der Forschung sind und 3) eine Medikamenten-Nebenwirkung immer in gesamtheitlicher Nutzen-Risiko-Abwägung im Kontext der Erkrankung selbst und ihrer Nachwirkungen gesehen werden muss (siehe EBM unten).
- Chorda Tympani – Ein Ast des Fazialisnerven, der hinter dem Trommelfell gesehen werden kann. Wörtlich „Trommelfellkordel“. Dieser Ast versorgt die vorderen 2/3 der Zunge hinsichtlich des Schmeckens und sorgt für die Sekretion der kleinen Speicheldrüsen am Unterkiefer und unter der Zunge [36].
D
- Dysphagie – Eine Bezeichnung für verschiedene Schluck- und Essstörungen, letztere aber nicht gemeint im Sinne der psychischen Erkrankung der Anorexie [35]. Eine Dysphagie kann bei Fazialis-Parese als „orale Dysphagie“ (Dysphagie des Mundes) auftreten, wenn das Essen nicht normal aufgenommen werden kann und z.B. ein „Leaking“ besteht (= Essen oder Flüssigkeiten können mit den Lippen nicht gehalten werden, das wäre „anteriores Leaking“, also der Verlust nach vorn) [34]. Es besteht eine Reihe weiterer Dysphagien, wie die pharyngealen und ösophagealen Schluckstörungen (Dysphagien des Schlunds und der Speiseröhre), bei denen der „Schluckakt“ anderweitig gestört ist. Hierzu verweisen wir gern auf die Homepage des Dysphagie-Netzwerkes Südwest.
E
- E-Face – Ein Bewertungsinstrument, um Fazialisparesen und deren zeitlichen Verlauf zu beschreiben [5].
- Evidenzbasierte Medizin (EBM) – beschreibt einen Ansatz bei dem drei Aspekte zusammengefügt werden, um eine Therapie für einen bestimmten Patienten abzuleiten: 1. Faktoren und Wünsche des Patienten, 2. Erfahrungswerte des Therapeuten und 3. Wissenschaftliche Erkenntnisse. Eine evidenzbasierte Therapie ist immer eine Summe dieser drei Aspekte, nie die Dominanz eines Aspektes [27].
- Essen – Essen mit Fazialisparese kann sehr herausfordernd sein. Einerseits kann es sein, dass die betroffene Lippe nicht komplett öffnet (und man sich auf die Lippe beißt), Speisen und Getränke nicht im Mund gehalten werden können (anteriores Leaking) oder aber körnige Speisen (Müsli, Reis – sog. kritische Konsistenzen) sich in der gelähmten Wangentasche ansammeln und langfristig zu Zahnproblemen führen können. Hinzu kommen emotionale Reaktionen durch diese Einschränkungen, wie Scham – z.B. in einem Restaurant [7,9,34]. Hilfen können sein: Essen kleinschneiden, kleine Mengen beim Essen aufnehmen, beim Trinken kleine Schlucke nehmen, Mundwinkel mit dem Finger unterstützen und herunterziehen, Strohhalm benutzen, Becher, Gläser und Tassen mit kleinerem Durchmesser und auch ein Handtuch, wenn es mal doch daneben geht, sowie v.a. am Anfang angepasste Konsistenzen (z.B. weiche und breiige Kost, keine Körner).
- Emotion – Das Leben mit einer Fazialisparese kann viele Emotionen hervorrufen. Dazu zählen nicht nur die fünf Basisemotionen nach Paul Ekman (Wut, Freude, Traurigkeit, Furcht, Ekel), die man gut aus dem Pixar-Film „Alles steht Kopf“ kennt – und die u.a. an fazialen Gesichtsausdrücken erforscht wurden [39]. Es ist wissenschaftlich gezeigt worden, dass Patienten mit Fazialisparese eine Vielzahl von Themen haben, die sie bewegen, in diesem Fall in Australien: a) Augensymptome, b) Angst vor Verurteilung und sozialer Isolierung, c) Aversion gegenüber Eingriffen, d) der Bedarf an einem klaren multidisziplinären Behandlungspfad und e) die Problematik, dass die Erkrankung in der Öffentlichkeit wenig bekannt ist [38]. Viele dieser Punkte sind uns nicht unbekannt und auch die weitere wissenschaftliche Evidenz u.a. in Deutschland zeigt, dass Menschen mit Fazialisparese erheblich emotional belastet sein können und diese Emotionen dann auch mit ihrem Gesicht nicht korrekt ausdrücken können [40,41].
F
- Fahrradfahren – der Fahrtwind kann Probleme bereiten, wenn das Auge nicht richtig schließt. Ggf. hilft eine größere Brille, Sonnenbrille oder sogar eine Skibrille.
- Facialnerve-Centers – spezialisierte medizinische Zentren für Menschen mit Fazialisparesen, meist an den Universitätskliniken. Sie kombinieren verschiedene Fachbereiche, wie HNO, Neurologie, Augenheilkunde und Logopädie und können insbesondere bei langwierigen oder komplizierten Verläufen die Behandlungen unterstützen. Die uns bekannten Fazialis-Zentren sind in Jena, Freiburg, Köln und Tübingen. Fazialisprechstunden werden zudem in vielen größeren Städten angeboten. Eine Übersicht über Anlaufstellen bietet www.fazialisparese.ch.
- Facial Nerve Grading Scale (FNGS 2.0) – Ein Bewertungsinstrument von Fachpersonen, um Fazialisparesen und deren zeitlichen Verlauf zu beschreiben [4].
G
- Geschichte – Die Geschichte der peripheren Fazialisparese zeigt bereits vor der „Erstbeschreibung“ durch Charles Bell Beschreibungen, die teils bis zu den berühmten muslimischen Ärzten Razi und Avicenna zurückreichen [26]. Bemerkenswert ist, dass der bei der Parese häufige Lagopthalmus bereits durch Celsus (35 v Chr – 45 n.Chr) beschrieben wurde [32].
- Geduld- Die Haupt-Challenge in diesem Kontext. Der Fazialisnerv kann sich regenerieren, was im Wesentlichen von seiner Schädigungsart und der Lokalisation der Schädigung abhängt. Ein Nerv wächst bei einer Schädigung und guten Bedingungen ca. 1 mm pro Tag nach [13]. Da der Fazialisnerv einer der längsten Hirnnerven ist , sind dies entsprechend 60-90 Tage für z.B. 6-9 cm. Dies ist die durchschnittliche Länge des Nerven von der Schädelbasis bis zu den Zielmuskeln, hinzu kommen noch 2-3 cm für den Verlauf vom Hirnstamm bis zur Schädelbasis [56, 57]
H
- House-Brackmann Skala– Ein älteres Instrument zur Beurteilung der Stärke einer Fazialisparese vom Grad I – VI. [1]
- Hyperakusis – ein Symptom der Fazialisparese bei einer Schädigung des Nerven am Anfang seines Verlaufs. Das Symptom beschreibt ein übersteigertes Hören durch Ausfall des Steigbügelmuskels, der im Ohr wie ein Schalldämpfer funktioniert. Fällt der Schalldämpfer aus, wird alles laut. Der Fazialisnerv versorgt diesen Muskel des Mittelohrs [13].
- Hornhaut – siehe Cornea
I
- Idiopathisch – Bei dieser häufigen Form der Parese ist nicht klar, woher die Parese kommt („Idios“ = anders/unbekannt). Siehe auch den klinischen Behandlungspfad der AWMF [2].
- Inzidenz – das neue Auftreten der Fazialislähmung bezogen auf 100.000 Personen pro Jahr liegt bei ca. 5–50 Personen. Sie ist zu unterscheiden von der Prävalenz, die beschreibt, wie viele Personen zu einem Zeitpunkt eine Fazialisparese aufweisen. INZIDENZ = Neuerkrankungen/Zeitraum. PRÄVALENZ = Anzahl der Erkrankten in einem Zeitraum. Die Prävalenz ist grob die Inzidenz mal die Erkrankungsdauer.
J
noch kein Eintrag.
K
- Kodierung – Die Facialisparese hat in der medizinischen Nomenklatur (ICD) eigenen Code: ICD G51.0 (Fazialisparese, incl. Bellparese, aber keine zentrale Parese durch Schaden des 1. Motoneurons). DIe Kodierung wird z.B. genutzt bei Informationsübermittlungen, Abrechnungen mit den Krankenkassen und teils auch bei epidemiologischen Untersuchungen.
- Krokodilstränen – eine besondere Form der Fehlverkabelung. Diese erfolgt, wenn hohe Facialis-Nervenanteile, die eigentlich die Speicheldrüsen innervieren sollen, mit denen der Tränendrüse fehlverkabelt werden. In diesem Fall weinen Patienten, wenn sie Essen sehen oder riechen, was eigentlich den Speichelfluss anregen soll [42].
L
- Logopädie – eine spezialisierte Gruppe von Therapeuten, die sich mit Sprach-, Sprech-, Stimm-, und Schluckbeschwerden auskennt, diese diagnostiziert und behandelt. Logopädinnen und Logopäden mit einer speziellen Zusatzausbildung können die Behandlung einer Fazialisparese von der akuten bis zur chronischen Phase maßgeblich unterstützen.
- Lagophthalmus– Unfähigkeit, das Auge komplett zu schließen. Dies führt zu einer Austrocknung des Tränenfilms mit Reizung der Hornhaut (Cornea). Es gibt verschiedene Arten des Lagophthalmus, z.B. den paralytischen (bei der Fazialisparese), den nächtlichen und den postoperativen [30, 31]. Das Phänomen wurde bereits durch den römischen Arzt Celsus (30 v.Chr. – 45 n.Chr.) beschrieben. Der ungewöhnliche Name scheint von dem mythologisch begründeten Irrglauben der Griechen und Römer abzustammen, dass Hasen mit offenen Augen schlafen. Entsprechend „Hasenauge“ (Lag = Hase, Ophthalmus = Auge) [32]
- Leitlinie – Eine Sammlung von Handlungsempfehlungen mit Beurteilung der Studienqualität zur Therapie der Fazialisparese, hier der Link zu den Leitlinien zur Bell-Parese: AWMF Leitlinienregister [2]. Leitlinien haben „Grade“, je höher die Zahl hinter dem S, desto besser ist die wissenschaftliche Evidenz geprüft (S1, S2e/S2k, S3-Leitlinie)
M
- Mona Lisa – Es wird spekuliert, dass das berühmte Lächeln der Mona Lisa, des Gemäldes von Leonardo da Vinci, aufgrund einer peripheren Fazialisparese zustande kam. Der Evidenzgrad ist aber gering [24-26].
- Möbius Syndrom- Eine seltene angeborene Form der (beidseitigen) Fazialisparese, die zudem mit der Lähmung anderer Hirnnerven und anderen EInschränkungen einhergehen kann, v.a. Lähmungen des N. abducens (6. Hirnnerv). Betroffene Kinder und Erwachsene haben der Beschreibung nach ein „maskenhaftes“ Gesicht und damit Probleme des Ausdrucks von Emotionen. Die Ursache ist unbekannt, wird aber u.a. genetischen Faktoren zugeschrieben. Benannt nach Paul Julius Moebius [66].
N
- Nervus facialis – lateinische Bezeichnung für „Nerv“ und „Gesicht“ = „Gesichtsnerv“ = Fazialisnerv. Bei diesem handelt es sich um den 7. von 12 paarigen (links/rechts) Hirnnerven. Im lateinischen wird der facialis mit „c“ im Deutschen mit „z“ geschrieben. Die Verwendung von „Facialisnerv“ als (Fehl-)Latinisierung ist möglich. Der Nervus facialis ist neben dem 10. Hirnnerven (Vagusnerv) einer der längsten Hirnnerven. Grundsätzlich können auch andere Hirnnerven bei Fazialisparesen mitbetroffen sein. Da der Nerv paarig ist, besitzt jeder Mensch zwei Fazialisnerven – links und rechts. Der Nerv entspringt dem Hirnstamm aus vier Nervenkernregionen. Er führt vor allem, aber nicht nur motorische Fasern mit sich. Er passiert dabei mehrere Zonen: Nervenwurzelaustrittszone aus dem Hirnstamm, eine Hirnwasserkammer („Zisternal“), einen Knocheneintrittspunkt („Meatal“), die Region des Innenohrs („Labyrinthisch“), die Region des Mittelohrs („Tympanisch“), des Felsenbeinfortsatzes („Mastoidal“), ein Knochenfenster an der Schädelbasis („Foramen Stylomastoideum“) und tritt dann in die Ohrspeicheldrüsen („Parotis“) ein, in denen er sich in zwei bis drei Hauptäste und folgend in die insgesamt fünf Äste aufteilt, sich netzartig weiter verzweigt und zu den 20-24 Gesichtsmuskeln und dem Hautmuskel („Platysma“) am Hals zieht und diese Muskeln innerviert. Je nach Schädigungsort sind dann auch die Symptome unterschiedlich. Der Fazialisnerv ist fast nur motorisch aktiv, er hat einige sensible Bereiche am Ohr und Trommelfell, und gibt zudem einen Geschmacks-Nerven ab („Chorda Tympani“) sowie einige Fasern zu den Speichel- und Tränendrüsen [13,22]. Der Nerv ist ca. 8-11 cm lang [56,57] und beinhaltet ca. 10.000 einzelne Nervenfasern, von denen ca. 80% motorisch sind, also Muskeln versorgen [56]
- Nervenschaden – Die Schädigung des Nervs kann unterschiedliche Ursachen haben. Auf der mikroskopischen Ebene sind drei Haupttypen bekannt: Neurapraxie (Nerv und Nervenhülle sind erhalten, aber „beleidigt“ – meist schnelle und komplette Erholung – Grad 1 nach Sunderland), Axonotmesis (Die Nervenhülle ist erhalten, der Nerv darin ist beschädigt). Er kann jedoch nachwachsen und nutzt die verbliebene Nervenhülle als Leitstruktur (Grad 2 nach Sunderland). Mit einem Wachstum von maximal 1 mm pro Tag benötigt die Regeneration je nach Länge zum Zielorgan mehrere Monate). Neurotmesis (partielle bis komplette Zerstörung der Nervenstruktur, Grade 3–5 nach Sunderland) mit geringerer Erholungswahrscheinlichkeit [13, 56]. Auf der Seite www.fazialisparese.ch gibt es hilfreiche Bilder dazu.
O
- Okklusionsverband – ein anderer Begriff für Uhrglasverband („Versiegelungsverband“).
- Operationen – Einerseits können Operationen für eine Fazialisparese ursächlich sein, da der Nerv unmittelbar im oder am OP-Gebiet liegt (z.B. Akustikusneurinom-Operation, Parotis-Operationen). Andererseits können auch Operationen zur Behandlung einer schweren Fazialisparese eingesetzt werden, bis hin zu Nerventransplantationen [13].
P
- Physiotherapie – Therapeutengruppe, die bei schweren spastischen Fazialisparesen wie Logopäden unterstützen kann, Schmerzen und Verspannungen durch Übungen zu lösen. Physiotherapeutinnen und -therapeuten mit Zusatzausbildung können die Heilung einer Fazialisparese von der Akutphase bis zur chronischen Parese unterstützen
- Periphere Lähmung – bei dieser Form ist der Fazialisnerv nach dem Austritt aus dem Gehirn geschädigt worden. Aufgrund des sehr langen Verlaufs des Nerven kann dies an verschiedenen Stellen geschehen sein, u.a. im Schädelknochen, nahe des Hörorgans oder nach Austritt aus der Schädelbasis oder bei seinem Verlauf durch die Ohrspeicheldrüse.
- Prävalenz – Die Anzahl der Personen, die in einem bestimmten Gebiet zu einem bestimmten Zeitpunkt an einer Fazialisparese erkrankt sind. Die Inzidenz beschreibt die Neuerkrankungen (s.o.).
- Parotidektomie – eine Operation der Ohrspeicheldrüse in verschiedenen Varianten, die aufgrund des Verlaufs des Fazialisnerven durch die Drüse zu einer (meist) vorübergehenden Lähmung führt. Um den Nerven zu schützen, wird daher für die Operation eine spezielle Nervenüberwachung eingesetzt. Bis zu 30% der Patienten nach Parotis-OP können eine passagere Fazialisparese aufweisen, die i.d.R. in den ersten 6 Monaten rückläufig ist [23]
- Parese – bezeichnet die Lähmung eines Nerven. Die Maximalform ist die Plegie, die vollständige Lähmung. Bei der Fazialisparese gibt es mehrere Formen: komplett und teilweise, schlaff und spastisch (verkrampfend) mit sehr unterschiedlichen Ursachen und Behandlungsformen. Nach Kehrer wird von einer dauerhaften Fazialisparese nach 24 Monaten gesprochen [13].
- Progressive Muskelentspannung – Eine Technik nach Jacobson, die auch in verschiedenen Metaanalysen allgemein eine Wirksamkeit auf Angsterleben, Lebensqualität und Schlafqualität zeigt [43-44]. Studien zum Einsatz der PMR bei Fazialisparese sind nicht verfügbar.
- Prominente Personen mit Fazialisparese: James Bell (spekulativ) [26], Mona-Lisa (fraglich) [24-25], Justin Bieber (Ramsay-Hunt-Syndrom) [62] , George Clooney (Bell Parese) [63] , Angelina Jolie (Bell Parese) [64] , Pierce Brosnan, Roseanne Barr, Sylvester Stallone, Hafþór Júlíus Björnsson, Andrew Lloyd Webber u.v.m., siehe auch List of people with Bell’s palsy – Wikipedia [65]
Q
- Quality of Life (Lebensqualität) – Es besteht wissenschaftliche Evidenz dafür, dass die Lebensqualität bei einer Fazialisparese reduziert ist – insbesondere für soziale Faktoren und den Ausdruck von Emotionen [7,9].
R
- Ramus – ein Ast eines Nerven. Hier der Nervus facialis: Die meisten Personen haben zwei Hauptäste, aus denen drei bzw. zwei weitere Äste entspringen (siehe „Varianten“). In vielen Fällen vernetzen sich diese Äste wiederum, sodass weiter periphere Fazialisparesen sich bei Personen sehr unterschiedlich darstellen können. Die Verästelung des Nerven erfolgt in der Ohrspeicheldrüse („Parotis“). Die fünf Äste sind der Ramus frontalis (Stirnast –> Stirnrunzeln), der Ramus zygomaticus (Jochbeinast –> Augenschluss), die Ramus buccales (Wangenäste –> Backen aufblasen), der Ramus marginalis mandibulae (Unterkieferast –> Unterlippe herunterziehen) und der Hals-Ast (R. colli –> Hautanspannung des Halses, sog. Platysma)
- Rasur – mit einer Fazialisparese kann eine Bartrasur schwierig und herausfordernd sein. Der Vollbart ist nicht unbedingt eine Alternative. Man benötigt die andere Hand für die Spannung der Haut, damit eine Rasur möglich ist. Aufpassen an der Oberlippe, da das Mundspitzen ggf. nicht mehr korrekt funktioniert. Postoperativ kann eine Rasur schmerzhaft sein, ebenso bei spastischer Parese.
- Ramsay-Hunt-Syndrom – eine Ursache der Fazialisparese (siehe „Zoster“). Justin Bieber ist eine prominente Person, die an dieser Erkrankung litt [62]
S
- Synkinesie: eine fehlerhafte Verschaltung von Nervenbahnen während der Heilung. Durch diese Synkinesien kann es sein, dass z.B. das Auge beim Lachen oder Pfeifen schließt. Synkinesien werden i.d.R. von logopädischen Fachkräften behandelt. Der Mechanismus ist auf der Seite www.fazialisparese.ch genauer beschrieben. Man kann es sich vereinfachend wie eine Fehlverkabelung vorstellen, die irrtümlich durch die Nervenregeneration auftreten kann: „Man will das Licht im Keller anmachen. Drückt man aber auf den Schalter, geht nicht nur das Licht an, sondern das Garagentor geht auch mit auf.“ (siehe spastische zentrale Lähmung für mehr Infos)
- Sunnybrook Facial Grading System– ein Instrument zur Bewertung von Fazialisparesen. Die Sunnybrook-Skala mit 0-100 Punkten wird durch Fachpersonal angewendet, um den Schweregrad der Parese sowie Veränderungen im Verlauf zu beschreiben. Er beinhaltet die Einschätzung der Symmetrie in Ruhe und Bewegung, sowie das Auftreten von Synkinesien [3]. Er gilt als sehr verlässlich und liegt auch in der geprüften deutschen Version vor [10,11].
- Schmerzen – Eine Fazialisparese an sich ist in den meisten Fällen schmerzlos, da der Nerv mit Ausnahme des Trommelfells und eines Teils des Gehörgangs keine Schmerzwahrnehmung weiterleitet. Der Nerv, der die Schmerzwahrnehmung steuert, ist v.a. der 5. Hirnnerv (N. trigeminus). Bei bestimmten Infektionserkrankungen (z.B. Herpes zoster = Gürtelrose im Gesichts- und Ohrbereich) oder bei Spastiken (Verkrampfungen) der Gesichtsmuskulatur infolge der Lähmungen kann es aber zu erheblichen Schmerzen kommen – ebenso bei schwerer Hyperakusis, d.h. wenn Schall durch den ausgefallenen Schalldämpfermuskel (M. stapedius) zu laut empfunden wird.
- Spastische zentrale Lähmung – Die Gesichtsmuskulatur kann nicht nur schlaff („Das Kabel ist durch – das Licht geht nicht an„) sondern auch spastisch gelähmt sein („Das Kabel ist intakt, aber die zentrale Steuereinheit funktioniert nicht“ – das Licht flackert, scheint mal heller mal dunkler, oder lässt sich nicht mehr kontrolliert an- und ausschalten“). Die Ursache dafür ist kompliziert und nicht ganz einfach darstellbar – ich versuche es analog zu den Umschreibungen von Dr. S. Hotzenköcherle, ich empfehle zudem einen Kaffee und etwas Ruhe für das Folgende zu nehmen: Unsere Nerven sind quasi ein „Kabel“ mit zwei Umschaltstellen: Die erste Stelle ist im Gehirn (= „Hauptprozessor“ = 1. Motoneuron = supranukleär), die zweite beim Fazialisnerven im Hirnstamm (= „Subprozessor“ = 2. Motoneuron = nukleär). Den Hauptprozessor im Großhirn können wir mehr oder weniger willentlich beeinflussen; also ihm „sagen“, was wir wollen (z.B. Grinsen, Augen zu). Der eigentliche Auslöser einer Bewegung ist jedoch der Subprozessor (2. Motoneuron) im Hirnstamm, der den Nerven und den damit verbundenen Muskel letztlich aktiviert. Dieser Subprozessor wird vom „Hauptprozessor“ gesteuert, also in seiner Aktivität aktiviert oder gebremst. Fällt der Hauptprozessor aus (z.B. bei einem Schlaganfall im Großhirn), fehlt diese Regulation und der Subprozessor im Hirnstamm wird nicht mehr koordiniert. Der Nerv an sich ist intakt, die Muskeln sind jedoch unwillkürlich übererregbar und willentlich inaktiv. Dies kann in (schmerzhaften) Verkrampfungen münden. Fällt der Subprozessor oder das aus ihm entspringende Kabel aus, kann der Hauptprozessor soviel steuern wie er will, es kommt zu keiner Antwort: die Muskulatur bleibt primär schlaff (sie kann sich dennoch durch unkoordinierte Eigenbewegungen dennoch bewegen, sogenannte „Faszikulationen“ – diese kommen aber v.a. aus dem unteren Teil und Nervenenden des 2. Motoneurons, z.B. aber nicht nur bei Regeneration – sie kommen aber nicht aus dem Gehirn). Ebenfalls gibt es im Muskel „Fibrillationen“; das sind durch den Muskel generierte Kleinstbewegungen, die man nur in speziellen Untersuchungen (EMG) sieht. Um es noch komplizierter zu machen, aber dennoch vereinfacht erklären zu wollen: 1. Bei zentralen Schäden („Hauptprozessor“) sind die oberen Teile der Gesichtsmuskulatur auf der betroffenen Seite dennoch intakt (Stirnrunzeln funktioniert). Das liegt daran, dass im Gehirn diese Region gleichzeitig von der linken und von der rechten Seite gesteuert wird. Das heißt, dass zentrale Fazialisparesen (z.B. Schlaganfall, Hirnblutung, Schädel-Hirntrauma) meist durch einen hängenden Mundwinkel und Lähmungen im unteren Bereich (Wange, Mundwinkel, Kinn) auffallen, während periphere Paresen (Bell Parese, Operationen, Verletzungen, Tumore) eher eine schlaffe Lähmung der kompletten Gesichtsseite erzeugen können – abhängig davon wo die Schädigung ist. Je nach Schädigungsort und -mechanismus kann eine Fazialisparese daher sehr unterschiedlich und individuell auftreten. 2. Die Erklärung der spastischen Lähmung ist bei Armen und Beinen nochmals etwas anders, weil hier die Dichte der Steuerungsorgane in den Muskeln (sog. Muskelspindeln und Golgi-Sehnenorgane) anders ist und die Spastiken verstärken können.
A: Normale Situation. Das 1. Motoneuron steuert den Muskel (runde Lampe). Der Nervenstrang verbindet das erste und zweite Motoneuron. Danach führt der Nervenstrang durch die Schädelbasis (Wasserkiste) zur runden Lampe. Es gibt dieselbe Struktur für die eckige Lampe. B: Supranukleäre Schädigung: Schädigung des 1. Motoneurons, z.B. durch Schlaganfall. Die Lampe flackert und ist nicht mehr willentlich steuerbar. C: Nukleäre Schädigung: Schädigung im Hirnstamm, z.B. durch Schlaganfall oder Infektion. Der Fazialisnerv ist nicht steuerbar und die Muskulatur ist schlaff (Licht aus). D: Periphere Schädigung: Der Fazialisnerv ist geschädigt, z.B. durch Infektion, Operation, Verletzung oder Tumor. Die Muskulatur ist schlaff (Licht aus). E: Synkinesie: Fehlverbindung, bei der die Aktivierung von Muskel A auch Muskel B ungewollt mitaktiviert (eckige Lampe geht an, obwohl im Gehirn gar nicht angeschaltet).- Sushi – japanische Reisspeise. Kann bei Fazialisparese durchaus Probleme machen, da Sushis i.d.R. groß sind, nicht zerteilt werden und zudem eine „kritische“ Konsistenz haben. Vorsicht beim Essen. Gleiches gilt bei großen Ravioli und ähnlichen Speisen.
- Strohhalm – nützlich beim Trinken mit einer Parese. Gilt als effektive Kompensations- und Trainingsmethode bei Fazialisparese [33]. Der Strohhalm wirkt dabei vor allem über seinen Durchmesser und seine Länge. Je dünner und länger er ist, desto mehr Sog muss durch die Mundmuskulatur aufgebaut werden („Hagen-Poiseuille-Gesetz“ aus der Physik – dabei ist der Durchmesser deutlich relevanter als die Länge).
- Speichelfluss – Dieser kann bisweilen lästig sein, wenn der Mund nicht richtig schließt. Dies kann tagsüber oder v.a. nachts auftreten. Handtuch und Tape können hilfreich sein.
- Schminken – Beim Schminken werden häufig Gesichtsmuskeln hinzugezogen, z.B. Augenlider, Mundmuskeln. dies kann bei einer Fazialisparese erschwert sein und braucht entsprechende Übung für den Alltag.
T
- Tarsorraphie – Eine Augenlidvernähung, die das Ziel hat, die Hornhaut des betroffenen Auges durch Verringerung des Lidspaltes zu schützen . Da es zu dieser recht invasiven Technik mit erwünschten wie auch unerwünschten Effekten auch andere Alternativen gibt, ist es wichtig, sich hier entsprechend medizinisch beraten zu lassen.
- Tumore – bösartige Tumore im Bereich der Schädelbasis und der Ohrspeicheldrüsen können in den Nerven einwachsen und so zu einer Fazialisparese führen. Eine neue Parese ist daher immer medizinisch abzuklären! Gutartige Tumore (z.B. Adenome der Ohrspeicheldrüse) können v.a. postoperativ zu Paresen führen, da ihre Entfernung zu einer Nervenschädigung führen kann.
U
- Uhrglasverband. Ein Augenverband, der das betroffene Auge nachts schützt. Achte auf die korrekte Anwendung und die Hautpflege, um Verletzungen zu vermeiden. Lass dich von einer medizinischen Fachperson beraten!
Bild: Hautschäden nach Uhrglasverband [A] - Ursachen – Die Ursache einer peripheren Fazialisparese ist vielfältig. Sie kann unklar sein (idiopathisch), durch Durchblutungsstörungen (ischämisch), durch Unfälle und Verletzungen (traumatisch), durch Operationen (postoperativ), durch bösartige Tumore (neoplastisch) oder infolge von Infektionen (postinfektiös) auftreten. Zentrale Paresen können infolge von Schädigungen des Gehirns auftreten, ebenfalls z.B. traumatisch, infektiös oder ischämisch.
- Ungeduld – siehe Geduld. Ein praktikables Hauptproblem in der Therapie der Fazialisparese. Die Ungeduld ist quasi die Schwester der Frustration.
V
- Varianten: Der Fazialisnerv weist sehr viele Normvarianten auf, insbesondere in der Verästelung des Nerven. Jeder Mensch hat daher einen etwas unterschiedlichen Verlauf. In 80% der Fälle hat der Nerv zwei sich in der Ohrspeicheldrüse verzweigende Hauptäste, die sich dann in die weiteren 3+2 Ramus (siehe „Ramus“) unterteilen. In 14% der Fälle sind es aber drei Hauptäste und in den restlichen Fällen noch andere Varianten. Die Verbindungen zwischen den Rami können ebenfalls sehr unterschiedlich sein [7]. Die originale Klassifikation der Varianten ist von Davis aus dem Jahr 1954 [8]
- Ventilator – kann bei Fazialisparese augenreizend sein, z.B. wenn noch ein geringer Lagophthalmus besteht.
- Vertrauen – Ohne Vertrauen zu Ärzten und Therapeuten wird es eher schwierig. Wichtig ist es aber Zweifel und Unklarheiten genau anzusprechen, auch wenn dies ggf. unangenehm ist. Die Beziehung zwischen Patienten und ihren Behandlern ist von großer Wichtigkeit [38].
W
- Wille : Ein Begriff aus Medizinrecht und Medizinethik – dies kann hier nicht komplett dargestellt werden, aber als Überblick: Der Patientenwille ist eine der Basisbedingungen für die Einwilligung in medizinische Verfahren – völlig unabhängig, ob es Medikamente, Operationen oder therapeutische Maßnahmen sind. Wenn der freiverantwortliche Wille nicht erfüllt ist, ist die Maßnahme nicht gestattet. Er besteht im Wesentlichen aus drei Teilen: 1. Das Verstehen der geplanten Maßnahme mit ihren Vor- und Nachteilen 2. Die „Einbettung“ dieser Maßnahmen in die eigene Lebenssituation, eigene Wünsche und Werte („Kontextualisierung“) sowie 3. die freie und unbeeinflusste Entscheidung nach ausreichender Bedenkzeit [58]. Bei medizinischen Maßnahmen (wie auch in der Therapie der Fazialisparese) bilden „Wille“ und „Indikation“ eine Doppelstruktur, bzw. ein „2-Säulen-Modell“ [59]. Eine medizinische Maßnahme darf nur dann durchgeführt werden, wenn 1. sowohl eine Indikation besteht (Festlegung durch ärztliches, pflegerisches oder therapeutisches Personal) UND 2. der Patient (oder eine bevollmächtigte Person, die seinen Willen vertritt, z.B. Betreuer) der Maßnahme „freiverantwortlich“ zustimmt. Es gibt Ausnahmen, deren Beschreibung hier den Rahmen sprengt (Notfall, Minderjährige), bei denen z.B. auf den „mutmaßlichen“ oder „rekonstruierten“ Willen oder auf den Begriff des „Kindswohls“ zurückgegriffen wird.
X
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Y
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Z
- Zahnarzt: Zahnärztliche Beratung zur Prophylaxe kann sehr sinnvoll sein, da die gelähmte Seite durch die verminderte Reinigung sowie die Ansammlung von Nahrungsresten zwischen Wange und Zahnreihe durch die Muskelbewegung kariesgefährdet sein kann [6].
- Zentrale Lähmung: In diesem Fall ist der Nerv noch im Gehirn geschädigt worden, z.B. durch einen Schlaganfall oder eine Verletzung (siehe spastische zentrale Lähmung für ausführliche Informationen)
- Zugluft: kann bei Lagophthalmus zu einem Problem werden und zu Augenreizungen führen. Folgen sind Schmerzen, Brennen und Augentränen.
- Zoster: Eine durch das Windpocken-Virus („Varizellenzoster-Virus – VZV“) ausgelöste Erkrankung, die mit einer Fazialisparese einhergehen kann. Der Zoster kann mit oder ohne Bläschen auftreten. Eine Sonderform ist das Ramsay-Hunt-Syndrom, bei dem ein sensibler Nervenknoten („Ganglion geniculi“) betroffen ist („Zoster oticus“). Dessen Schwellung kann dann durch Druck auch zur Fazialisparese führen. wobei Hunt verschiedene Syndrome gleichen Namens beschrieb: u.a. den Zoster mit Fazialisparese, den Verschluss der Halsschlagader und eine Kleinhirnerkrankung (eine „Ataxie“-Form) [56].
- Zwiebel: Endgegner in der Küche bei Lagopthalmus. Tip: unter Wasser schneiden, sehr scharfes Messer (weniger Zellschäden), Kühlung der Zwiebel oder mit Taucherbrille arbeiten. Sind auch Tipps für Personen ohne Fazialisparese.
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BILDER UND GRAFIKEN
[A] Foto: eigene Aufnahmen (SB) – EInverständnis besteht
[B] Grafik: eigene Aufnahmen (SB) – EInverständnis besteht
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